Die mit dem Polo tanzt...

Veröffentlicht am 01.09.2003
in Redaktioneller Eintrag

Veröffentlicht am 01.09.2003

Fahrsicherheitstraining auf dem Verkehrsübungsplatz Vaihingen/Enz
Auf der Schleuderplatte tanzt der Lupo Pirouetten

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Das Auto ist für den ambulanten Dienst das wichtigste Hilfsmittel. Der richtige Umgang damit spart Geld und Nerven. Jedes Jahr bietet die Diakonie- und Sozialstation Ludwigsburg gGmbH die Möglichkeit, an einem kostenlosen Fahrsicherheitstraining teil zu nehmen. Doch Hand aufs Herz – können jahrelange, in Stau und Parkplatznot erprobte Autofahrerinnen* wirklich noch etwas lernen? Mit dieser Skepsis bewegte sich eine 11 Fahrzeug starke Flotte auf den Weg nach Vaihingen/Enz.

Jutta Kuhn, Testfahrerin bei namhaften Kfz-Herstellern und unsere Anleiterin an einem heißen Julinachmittag, überraschte uns zunächst mit der richtigen Sitzeinstellung. Das Lenkrad wird nicht im bequemen Liegen, sondern kurz vor dem Bauchansatz geführt. „Das sieht zwar recht unsportlich aus, lässt aber im Notfall die schnellsten Reaktionen zu“, erklärte sie.

Mittels Vorführwagen demonstrierte sie dann das Bremsverhalten auf unterschiedlichen Fahrbahnbelägen. Dass der 500er Mercedes bei 30 km/h nach einigen Metern zu stehen kommt, schätzten alle richtig ein. Dass er bei 60 km/h wie ein Schlitten über die nasse Fahrbahn sauste und erst kurz vor der Geländebegrenzung zum Stehen kam, verblüffte doch. Irgendwie schien es, als hätte die in der Fahrschule gepaukte Berechnungsformel des Bremswegs - ein Zehntel der Geschwindigkeit zum Quadrat - irgendeinen Systemfehler.
Aber grau ist alle Theorie, denn jetzt waren wir dran. Gas geben, in die Eisen stehen und schauen, wie sich das Auto verhält.

Es verhielt sich ziemlich unruhig. Es bockte, drehte und wand sich und ließ uns über unangenehme Reifengeräusche wissen, dass ihm die Behandlung missfiel. Als man ihm noch rote Plastikkegel in den Weg stellte, schleuderte es manchmal vor Zorn die Kegel in die Landschaft. Nur solche Fahrer, die mittels einer Zauberformel namens ABS ihr Gefährt bedienten, blieben meist linientreu in der Spur.

Doch es sollte noch schlimmer kommen. Eine weiß lackierte kreisrunde Fläche mit dem gefährlichen Namen „Schleuderplatte“ war die nächste Station. Dieses in den Boden eingelassene Folterinstrument versetzt der Hinterachse einen ordentlichen Schlag und bringt den kleinen Lupo von seinem rechten Weg ab. Sinn der Übung ist es, das ausbrechende Fahrzeug mittels Gegenlenken abzufangen. Manche Auto schienen aber plötzlich ihren Spieltrieb zu entdecken. Wie ein Kreisel tanzten sie über den Verkehrsübungsplatz, zeigten der Pilotin eine Rundsicht der Vaihinger Skyline, und gaben ihrer ratlosen Bändigerin Rätsel auf. Doch mit den ungehorsamen Marotten war es bald vorbei. Sowohl beim Vollbremsen als auch beim Schleudern zeigte die strenge Erziehung Wirkung. Weil die Übungen häufig wiederholt werden durften und Jutta Kuhn mittels Funk hilfreiche Tipps ins Cockpit gab, stiegen Selbstvertrauen und Kompetenz.
Und tatsächlich – am Ende des Trainings konnte das Auto rütteln und schütteln, schleudern und quietschen wie es wollte, die souveränen Fahrerinnen ließen sich nicht mehr aus der Fassung bringen.
Hochzufrieden machte man sich auf den Heimweg. Im nächsten Jahr wird es wieder einen Trainingstermin geben.

PS:
* weil mehr weibliche als männliche Teilnehmer dabei waren, wurde in diesem Bericht selbstverständlich die weibliche Form gewählt. Dies lässt keine Schlüsse zu, welches Geschlecht die besseren Autofahrer/innen stellt.
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