Steckdose allein reicht nicht aus

Laden ist das neue Tanken. Für die stv. Teamleiterin Carmen Hammer ist der Griff zur Steckdose Alltagsroutine.

Nachhaltige Mobilität ist für die Diakonie- und Sozialstation Ludwigsburg schon seit Jahren ein wichtiges Unternehmensziel.

Bis heute wurde der Anteil elektrisch betriebener Fahrzeuge kontinuierlich ausgebaut. „Momentan sind 20 unserer 55 Fahrzeuge mit Elektromotor ausgestattet“, erläutert Angelika Herrmann, die den Fuhrpark verwaltet. Im nächsten Jahr soll das angestrebte Ziel erreicht sein. Dann soll jedes zweite Dienstfahrzeug Strom statt Benzin tanken. „Wir möchten damit unseren Teil zur sauberen Luft in Ludwigsburg beitragen“, sagt sie. Bei täglich über 50 gefahrenen Pflegetouren kommt bei Verbrennungsmotoren einiges an Emissionen zusammen. Diese könnten deutlich reduziert werden. Eine Tour am Vormittag setze sich durchschnittlich aus 20 Einzelstrecken zusammen, von denen jede Teilstrecke kaum mehr als ein oder zwei Kilometer lang ist. Diese Nutzung zeige, so Herrmann,„für Elektromobilität sind wir als ambulanter Dienst geradezu prädestiniert“.

Der Diakonie- und Sozialstation Ludwigsburg bedeutet der Umstieg auf die E-Mobilität einen finanziellen Mehraufwand. „Die Entscheidung für eine nachhaltige Mobilität hat der Verwaltungsrat bewusst getroffen. Der schonende Umgang mit Ressourcen ist uns Verpflichtung“, so Herrmann. Für die Einsatzfahrten zu Patienten erhalte der Pflegedienst zwar eine Wegepauschale zur Refinanzierung der Personal- und Betriebskosten. Die sei so niedrig, dass sie schon bei einer herkömmlichen Fahrzeugnutzung nicht zur Kostendeckung ausreiche. Doch nicht nur der höhere Anschaffungspreis der Elektrofahrzeuge schlägt zu Buche. Damit in jeder der Pflegestationen der Strom für die künftigen Elektromobile gezapft werden kann, müssen in sechs von acht Standorten Leitungen verlegt und Ladepunkte eingerichtet werden.

Die Herstellung der Ladeinfrastruktur (LiS) für 16 neue Ladepunkte erweist sich als dicker Brocken. Sie summiert sich auf über 90.000 Euro. Um dies finanziell stemmen zu können, werden alle Fördermöglichkeiten ausgeschöpft. „Rund ein Drittel der Kosten werden durch das Landesförderprogramm LINOx übernommen. Dazu gibt es so genannte E-Gutscheine beim Kauf oder Leasing von Elektrofahrzeugen, die den Eigenbetrag weiter mindern“, erklärt Angelika Herrmann. Zur Finanzierung der bedeutendsten Einzelposition greift der Krankenpflegeverein Hoheneck unter die Arme. Beim Evangelischen Gemeindehaus Hoheneck sind kostspielige Tiefbauarbeiten erforderlich, um Erdkabel zu verlegen und Ladesäulen zu errichten. Über 20.000 Euro werden dort veranschlagt. Auch dort, wo bereits täglich 5 E-Autos aufgeladen werden, in der Pflegestation Stadtmitte, verschlingt die Kapazitätserweiterung eine fünfstellige Summe. Nach Ende der Maßnahme soll in fast allen Stadtteilen batteriebetrieben gefahren werden können. Einzig in Poppenweiler lassen die Örtlichkeiten die Errichtung einer Ladestelle an der Pflegestation nicht zu.

November 2019/sch